Tiergeschichten

Jillian - der Hund unter dem Bett

Jillian

 

Anfang November schaute ich mir im Internet das virtuelle Tierheim von "Tiere suchen ein Zuhause" an, da ich gerne wieder einen größeren Hund und Spielkameraden für meine beiden Dackel (Rauhaar- und Langhaarminis) haben wollte. Nach längerem durchsehen und lesen der Bild-Infos fiel mein Blick auf einen Hund mittlerer Größe, der mir sehr gefiel! Also ging ich sofort in die Kurz-Info, las den Text, der sich schon traurig anhörte. Hierin wurde beschrieben, daß der Hund - sein Name ist JILLIAN - durch Abgabe der Besitzer (wo Jillian nur 2 Tage nach Auskunft der Info war) stark mißhandelt oder erschreckt worden sein mußte, ein liebevolles zuhause sucht, wo er wieder glücklich sein und spielen kann. Hier war natürlich gleich mein Herz gefragt, so einem Hund muß doch geholfen werden. Also überlegte ich gar nicht lange und rief unter der Kontakt-Tel.-Nr. an. Leider hatte ich Pech und mußte noch warten, da telefoniert wurde. In dieser Zeit gingen meine Gedanken schon immer wieder zu dem Text zurück der mich mal wieder sehr wütend gemacht hatte. Endlich hatte ich Glück und es meldete sich die Kontaktperson. Leider kam ich aber doch noch nicht an die Infos über JILLIAN, die ich so gerne gehabt hätte. Ich mußte noch einmal anrufen und zwar zur Pflegestelle, wo sich JILLIAN z.Zt. aufhielt. Das tat ich auch sofort, obwohl es schon fast Sonntag 22 Uhr war!

Am anderen Ende meldete sich Fr. Brinkert und war erfreut, daß ich mich nach JILLIAN erkundigte und sie evtl. "adoptieren" wollte. Sie gab mir bereitwillig Auskunft, hielt mit keiner "Unart" zurück. Von ihr erfuhr ich, daß JILLIAN, seit sie dort ist, nur unter dem Bett lebt!! Sie kommt aus Istanbul, ist kastriert, entwurmt und wird noch gechipt. Obwohl Fr. Brinkert selbst Hunde und Katzen hat, war JILLIAN nicht zu bewegen, den schützenden Bettplatz zu verlassen. Sie ging nur raus, wenn es dunkel war und es Futter gab. Auf der Pflegestelle wußte man sich bald keinen Rat mehr und fragte mich,, ob mein Interesse ernster Natur sei, was ich bejahte! Schließlich wollte ich den Hund, der gefiel mir sofort!

Wir verblieben am Ende des Gesprächs, daß ich es mir noch einmal überlegen sollte, denn JILLIAN war ängstlich, machte in die Wohnung und brauche wohl lange Zeit, bis sie wieder ein "normaler" Hund sei. Am nächsten Tag war mir klar, daß ich mir JILLIAN ansehen und bei passender "Chemie" auch mitnehmen wollte. Das Fr Brinkert bei Frankfurt wohnt und ich am Niederrhein, störte mich nicht, den weiten Weg zu fahren,  schließlich war es bei mir wohl Liebe auf den ersten Blick!?

Am Samstag war es soweit, ich fuhr mit einer Freundin zur JILLIAN. Bei der Pflegestelle angekommen, wurden wir freundlich begrüßt und hereingebeten. Und dann kam der große Augenblick für mich: endlich würde ich JILLIAN sehen, den Hund, der unter dem Bett Zuflucht vor allem gesucht hat, was ihm Angst macht! Als sie ins Zimmer getragen wurde, machte sie vor lauter Angst schon Pipi. Kaum wurde sie losgelassen, rannte sie in eine Flurecke und legte sich dort hin, in der Hoffnung, dort sicher zu sein! Da ich mir vor der Abfahrt Leckerchen eingesteckt hatte, versuchte ich nun mit JILLIAN Kontakt aufzunehmen. Dies erwies sich als sehr schwierig, da sie sich kaum daran störte, was ich sagte.  Das Leckerchen, daß ich ihr immer vor die Pfoten legte, war aber immer weg, wenn ich wieder guckte. Irgendwann setzte ich mich wieder zu ihr auf den Boden und ich wollte es nicht glauben, sie steckte ihren Kopf unter meinen Arm!! Als ich sie ansehen wollte, nahm sie ihn schon wieder weg. Schade! Ich versuchte es noch einigemale, aber sie wollte mich nicht ansehen. Bald mußte ich mich entscheiden, ob ich JILLIAN nun mit nach Hause nehme? Es ist mir nicht leicht gefallen, denn wenn ich sie mitnehme, dann bleibt sie auch bei mir, egal wie sie sich entwickelt. Ich nahm sie mit, denn ich fand sie irgendwie total süß! Also, machten wir uns auf zum Niederrhein!

Nach guten 2 Std Fahrt war es dann soweit und JILLIAN mußte nun die Feuerprobe mit den anderen Hunden und Menschen bestehen. Ich dachte mir, daß beste ist es, sie im Garten sofort laufen zu lassen, damit sie erstmal in Ruhe schnuppern konnte und wollte nach und nach die Hunde dazu holen. So lief es auch ab, bis sie sich alle beschnuppert und angebellt hatten und wir wieder ins Haus gehen wollten. JILLIAN zeigte totale Panik und verkroch sich hinter Gebüsche, Sträucher und alles was sie im Garten fand und meinte, man sieht sie nicht. Gottseidank gelang es uns bald, sie einzufangen und ins Haus zu tragen. Hier wählte sie direkt den Platz hinter der Wohnungstür aus. Wir legten ihr eine Decke dort hin, stellten Wasser in der Nähe hin und ließen sie in Ruhe. Die Hunde gingen wohl nach und nach mal sehen, wer da lag, aber das beeindruckte sie nicht und auch sie ließen sie in Ruhe. Abends, als es was zu fressen gab und auch JILLIAN ihr Futter bekam, fraß sie den Napf fast leer.Was sie sofort machte, sie fraß mir den Rest aus der Hand, darüber freute ich mich riesig! Später ging es noch einmal raus, damit alle sich nochmal lösen konnten, nur JILLIAN nahm ich an die Leine. Sie ließ sich gut führen und preßte sich sehr stark an mein Bein, und beobachtete mich immer, was ich tat. Nachdem sie auch nochmal gemacht hatte, gingen wir alle rein. Sofort legte sie sich wieder auf die Decke an der Wohnungstür. Als wir schlafen gingen, hörte ich sie noch durch den Flur laufen, aber sonst war es ruhig.

Am nächsten Morgen als ich die Augen aufschlug, guckten mich von der Zimmertür 2 süße braune Augen an, die auf eine Reaktion von mir warteten. Ich rief JILLIAN zu mir und sie nahm auch schon die Richtung zum Bett, aber da hatte sie und ich nicht mit dem "Protest" der schon länger im Haus wohnenden Hunde gerechnet. Sie bellten sie an und natürlich verschwand sie sofort wieder auf ihre Decke. Als ich dann auf war, ließ  ich alle Hunde raus und nahm JILLIAN wieder an die Leine, sie machte nicht ihr Geschäft und ich wunderte mich, sie muß doch machen!? Hatte sie auch, leider Pipi auf dem Sofa und das große Geschäft in eine Hundedecke und dieses schön zugedeckt! Was soll es, damit mußte ich ja rechnen, schließlich wurde mir dieses gesagt! Weiterhin lief sie super eng am meinem Bein (ohne daß ich ihr ein Kommando gab, daran denke ich noch gar nicht!) und ging wieder mit ins Haus. Zum Frühstück ließ ich sie nicht auf der Decke, ich holte sie ins Zimmer, wo alle anderen auch waren. Sonntags bekommen unsere Hunde ein Leberwurstbrot (d.h. eine Scheibe Brot auf alle Hunde verteilt) und damit lockte ich auch JILLIAN. Sie nahm es mir vorsichtig aus der Hand, dann rannte sie wieder zu ihrer Decke. Das ging dann den ganzen Tag so, falls sie diese mal verließ. Sie ging an der Leine raus, fraß ihren Napf leer und wieder ging ein Tag zuende.

Am Montag, als sie draußen war und gefressen hatte, verließ sie die Decke und machte einen Erkundungsgang. Im Zimmer, wo wir uns meißtens aufhalten, sind mehrere Körbchen oder Decken sowie auch Sessel und Sofa, die von den einzelnen Hunden belegt werden. Es ist auch ein kleiner Tisch an der Wand unter dem ein Hundebett (Kunststoffbett mit Federbett) steht, dieses hatte JILLIAN wohl entdeckt und ihn für sich reserviert. Wir waren so glücklich, daß sie die Nähe des Menschen suchte! Im Garten wurde sie auch immer munterer und schnupperte hier und da und beobachtete die anderen Hunde. Immer wieder sah sie mich zwischenzeitlich an und immer wieder lobte und streichelte ich sie dann! So ging dann schon der 2. Tag in ihrem neuen zuhause vorbei.

Am Dienstag  war anfangs alles so, wie in den letzten 2 Tagen, das Fressen wurde aufgefressen und es ging auch wieder in den Garten, auch wie immer wurde das Geschäft erledigt und es ging wieder rein. Gegen mittag ging es wieder in den Garten, aber  o h n e   Leine! Warum, JILLIAN war schneller aus der Tür, als wir gucken konnten! Pech, dachte ich, dann muß ich sie wohl wieder einfangen! Falsch gedacht, JILLIAN lief im Garten umher, als wenn sie es schon ewig tat und freute sich, sprang an uns hoch, lief vor, trug ihre Rute hoch und war total locker, welch eine Freude! Von nun an lief sie immer ohne Leine im Garten und sie hört so super, wenn sie gerufen wird, kommt sie sofort, zwischendurch kommt sie ans Bein, um sich eben eine Streicheleinheit abzuholen.

An all den darauffolgenden Tagen war das Thema Garten ok. Nur in der Wohnung fing man jetzt langsam an umher zu wandern und zu schnüffeln. Wenn sie in ihrem "Beobachtungsnest" lag, ging ich oft hin und streichelte sie, immer wieder leckte sie meine Hand, machte sich locker und ließ sich den Bauch streicheln. Und wenn man zurück ins Zimmer kam, wurde man schwanzwedelnd von ihr begrüßt! Welche Freude das in uns auslöste, ist gar nicht zu beschreiben! Dieses Vertrauen nach noch nicht einmal einer Woche, macht uns so glücklich, wer hätte das gedacht? Auch JILLIAN hat keinen gehetzten Gesichtsausdruck mehr, im Gegenteil, wenn sie uns ansieht, meinen wir manchmal sie lacht uns an!

Als JILLIAN eine Woche bei uns war und schon soviel erkundet hatte, und uns großes Vertrauen entgegen brachte, beschloß ich, mit ihr einen kleinen Spaziergang zu machen! Außerhalb der schützenden Hecke. Ich glaube, sie ist so auf mich fixiert, daß ich es wagen kann. Einen meiner Dackel wollte ich als "Sicherheit" für JILLIAN mitnehmen. Bevor ich aber losging, kam eine Freundin von uns und wollte mit uns und den Hunden spazieren gehen. Erst wollte ich warten, bis sie gegangen waren und dann anschließend mit den beiden gehen, dann aber machte ich den Vorschlag: Ich gehe mit JILLIAN und all den anderen Hunden mit!! Wenn es nicht klappt, sie sehr nervös oder ängstlich wirkt, oder gar nicht aus dem Tor geht, bleibe ich zuhause. Es wurde kurz überlegt, dann ging es auch schon los, JILLIAN sollte jetzt mit uns allen gehen!! Die Hunde waren alle angeleint, auch JILLIAN, die wohl nicht so recht wußte, was nun abgeht? Also gingen wir mit unseren Hunden durch das Gartentor und ich ging mit meinem Dackel und JILLIAN zuletzt. Wir waren noch nicht ganz durch das Tor, da wollte sie zurücklaufen, zuckte an der Leine, drehte sich um uns und rannte nach vorne! Als sie sich nach einigen Metern beruhigt hatte, lief sie und sprang vor Freude hoch, rannte wieder, sprang und lief mit! Immer wieder schaute sie zu mir auf, wollte mich anspringen und lief freudig mit hoch tragender Rute hinter den anderen Hunden her! Das war für mich so ein schöner Moment, der mir zeigte, daß JILLIAN nach einer Woche schon sehr großes Vertrauen zu mir hatte!

Hier will ich nun enden und vielleicht melde ich mich noch einmal in den nächsten Wochen um wieder meine Freude über JILLIAN mit anderen zu teilen! Eins ist für mich gang klar:

Der Mensch kann nur mit viel Liebe, Geduld und Vertauen

das  Herz eines Tieres gewinnen - Prügel, Wut, Hass und Ungeduld  

ist der größte Feind fürs Tier!

 

U. Draak